LUXUSPAPIER VON 1865 1920
Der Begriff Luxuspapier wurde Mitte des 19 Jahrhunderts geprägt, als mit dem technischen Fortschritt dem Papier eine neue große und besondere Rolle zuteil wurde.
Man ging schon sehr früh von dem Gedanken aus, dass Papier, welches besonders bearbeitet wurde, den Namen Luxuspapier erhalten sollte.
Dazu hier ein Zitat aus dem "Offiziellen Ausstellungsbericht zur Weltausstellung in Wien 1873'' :
"Nicht zufrieden mit der Rolle, welche die nüchterne Geschäfts- und Utilitätsindustrie ihm angewiesen, überschreitet das Papier die Grenzen des Alltäglichen und betritt das Reich des Luxus und der Phantasie in Gestalt von Blumen und Blättern, von reich verzierten Liebesbriefen, Karten, Bonbonnieren und Kartons, präsentiert sich als glänzende Etiquette, als Orden, als Lichtmanschette, als Fächer und Bouquethalter, als Tellerpapier und Serviette, und Tausende von Menschenhänden in allen zivilisierten Ländern sind heute damit beschäftigt, die prachtvollsten Blumen und Knospen aus Papier hervorzuzaubern, die an Schmelz und Farbe die natürlichen fast übertreffen, um Spitzen und Fransen, um Silber- und Goldborten, um Glanz- und Lackpapiere, kurz, um die zahlreichen Luxusartikel aus Papier zu erzeugen, die einer Menge von gewöhnlichen Dingen zum Schmuck, zur Zierde dienen und die das Auge des Beschauers erfreuen!"
Später, etwa Ende des 19. Jahrhunderts, verstand man unter Luxuspapier veredeltes Papier (Papier als Materialienträger edler Materialien wie z.B. Gold, Glimmer, Tüll, Seide etc.) oder handbemalte Papiere, gute lithographische Arbeiten mit geprägten, gestanzten Techniken versehen.

Dankesbrief für die Taupaten anlässlich der Konfirmation, undatiert.
1877 wurde der Begriff von der Papierindustrie so definiert, das folgende Details vorhanden sein mußten :
der Farbendruck (Chromolithographie, der vorherrschende Farbendruck von 1865 bis ca. 1900),
das Prägen (also die Reliefierung der Papieroberfläche in mehr od. weniger starker Tiefe)
das Stanzen, z.B. wurden bei Oblaten auch Binnenstücke ausgestanzt (durch diese beiden Prozesse, "Prägen" und "Stanzen", wurde aus Papier ein Gegenstand, der zu einem Eigenleben bestimmt war).
das Montieren , d.h. das Arrangieren von Fremdmaterialien auf Papier, sowie die räumliche Darstellung (zwei- bis dreidimensional) des Papiers durch das Versehen mit Laschen, Klappen und Zugmechanismen.
Damit also konnte der Begriff Luxuspapier mit einer Veredelung von Papier erklärt werden.
Ein sehr weiter Begriff, der all die verschiedenen, aus Papier und Karton erzeugten Produkte umfaßt, die heutigen Tags ....
....... als Schmuck- u. Nutzgegenständen in großer Mannigfaltigkeit, als Adreß- und Geschäftskarten, Adventskalender, Alben, Andachtsbilder, Ankleidepuppen, Ansichtskarten, Reklamekarten, Bonbon- Einwickelpapier, verzierte Briefbögen, Christbaumschmuck aus Papier, Chromos (Schachtel- und Zierbilder), Dekorationsartikel (Aufstell-Figuren, Attrappen), Diplome, Einschlagpapier (Einwickel,- Geschenkpapier), Engelsflügel, Erinnerungsgraphik (Kranzbilder), Etiketten, Fächer, Fleißbilletts (Sonntagsschul- Andenken), Gelegenheitskarten (Glückwunschpostkarten zu Weihnachten, zum neuen Jahr, Osterkarten etc.), Girlanden, Hampelmänner, Hauchbilder, Haussegen auf Papierkanevas gestickt, Kalender, Karneval-Artikel, Kirchliche Gedenkblätter zur Konfirmation und Kommunion, Knallbonbons, Kranzschleifen für Grab-, Ernte- und Ehrenkränze, Küchenspitzen, Lampenschirme, Laternen, Lebkuchenbilder, Lesezeichen, Luxuskartonagen, Masken, Menükarten, Modellierbogen, Nadelbriefe, OBLATEN, Orangenpapier, Orden, Osterhasen-Attrappen, Oster- u. Weihnachtstüten, Papierausstattung (Briefpapierkassetten), Papierblumen, Papierfächer, Papierkrippen, Papierservietten, Papiersoldaten, Papierstuck, Papiertheater, Papiertischtücher, Papierwolle (Osterwolle, Ostergras), Papprahmen, Papp-Sargbeschläge, Papp-u. Papierteller und Schüsseln, Patenbriefe, Pralinenringe, Puppenstubenbilder, Puzzles, Reklamemarken, Reklamebilder, Reklame- wandtaschen, Reservistenbilder, Sammelbilder( Automatenbilder, Kaufmannsbilder, Liebigbilder, Stollwerckbilder, Suchardbilder, Zigarettenbilder), Sargspitzen, Schießscheiben, Schiffs-Menükarten, Schultüten, Siegelmarken, Speisekarten, Spielkarten, Spielpläne, Spielzeug aus Papier und Pappe, Spitzenpapier, Stanzbilderbücher, Sterbebilder, Tafeldekorationen, Tanzkarten, Tischkarten, Topfmanschetten, Totenkleidung, Trauerpapiere, Umschlagkarten (Dreh-, Falt-, Zug-, Luxuskarten) Valentines, Vereins-Artikel, Verwandlungsbilderbücher (Bewegliche Bilderbücher), Visitenkarten, Wallfahrtsfähnchen, Wandschirme, Wandsprüche, Wandteller, Weihnachts-u. Neujahrswunschbriefe, Wein- u. Getränkekarten, Widmungsbücher, Willkommensschilder, Zigarrenkisten- Ausstattungen, Zigarrenringe, Zigarettenpackungen noch hergestellt werden bzw. überliefert sind.
So hat sich auch der Papiersammler
bewußt spezialisiert, weiß er doch, welche Fülle, welche
Gesamtbreite das Papier umfaßt, die ihn ohne eine
Spezialisierung ins Uferlose führen würde.
Nur ein übersichtlicher, abgegrenzter Bereich kann dies
verhindern.

"Gottes Engel schützt die Seinen"
Darum möchte ich Ihnen insbesondere das Gebiet des Oblatensammelns näher bringen.
Wie schon erwähnt ist die Blütezeit der Chromolithographie in der 2. Hälfte des 19. Jahrhdts., einer Reproduktionstechnik von Farben: Von einem Stein, der die Konturen der einzelnen Farbpartien trägt, werden Klatschabdrucke" auf so viele Steine übertragen, wie Farben gedruckt werden sollen. Auf diesen werden die einzelnen Farben herausgearbeitet, z.B. durch Punktieren und sauber übereinandergedruckt. Wertvolle Chromolithografien werden von mehr als 20 Steinen gedruckt. Die Chromolithografie ermöglichte erst den Druck vieler Farben mit stufenlosen Übergängen. Selbst weiche Pastellfarben werden durch die Farbpunkttechnik'' möglich.
Beim Vergleich einer Chromolithographie mit einer Abbildung eines modernen 4-Farben-Off-Set-Drucks mit der Lupe besticht die Chromolithographie durch Druckschärfe und differenzierte Farbenpracht. Die Chromolithographie wurde durch die 1881 aufkommende Autotypie, einem photographischen Reproduktionsverfahren, verdrängt.
Wie in allen Sammelgebieten entstehen nach gewisser Zeit Sammlerkriterien, die dann den Marktpreis des Sammelobjektes ausmachen. So auch beim Papier- u. Oblatensammeln, bei dem Seltenheit (geringe Auflagenhöhe, selten im Handel, Angebot) und Beliebtheitsgrad (Nachfrage) des Sammelobjektes,- Qualität und Aufwand der Druckverfahren und- Alter und Zustand den Richtwert bestimmen.

Konfirmationsbrief, 1914
Entwicklungsabriß der Buchdruckkunst in Kurzform:
| 757 | Ältester chinesischer Blockdruck |
| 1045 | Entwicklung beweglicher Einzellettern durch Bi Chung |
| 1440 | Entwicklung / Perfektionierung des Buchdrucks mit bewegl. Metalllettern durch Gutenberg; Anfang des 15. Jhdts. Erfindung des Kupferstichs. |
| 1796 | Erfindung der Lithographie durch Senefelder, dessen Steindruckverfahren (1789) das dritte der Hauptverfahren neben dem Hochdruck (Holzschnitt) und dem Tiefdruck (Kupferstich) wird. |
| 1822 | Erfindung der Fotografie durch Niepce und Daguerre (1839) des Verfahrens, das für die Reproduktionstechnik zentrale Bedeutung erhält. |
| 1835 | Erster industrieller Farbendruck. |
| 1882 | Autotypie (Bildzerlegung in Rasterpunkte) durch Meisenbach. |
| 1800 -1950 | Schnellpressen- und Rotationsdruck mit zahlreichen Erfindungen und Neuerungen. |
| 1950 - heute | Elektronik und Computer |
Informationen insbesondere
entnommen aus den Büchern:
Das ABC des Luxuspapiers von Christa Pieske
und
Papierantiquitäten von Elke Gottschalk.
Last update: 02.02.2002