Die Realgemeinde


 

Die Bildung der Realgemeinde oder in der Langform: Realverband "Teilungs- und Verkoppelungsinteressentenschaft Frenke" Frenke, wurde bereits im Kapitel über die Verkoppelung beschrieben. Wesentliche Aufgabe der Realgemeinde war nun in der Folgezeit die Unterhaltung des neu geschaffenen Wege- und Grabennetzes.

Die Geschäfte wurden lange Zeit von der politischen Gemeinde Frenke mit erledigt, so dass kein eigener Vorstand und eigene Versammlungen notwendig waren. Als im Laufe der Jahre die Verwaltungsarbeiten für unseren ehrenamtlichen Gemeinderat immer umfangreicher wurden, strebte die politische Gemeinde eine klarere Trennung der Aufgaben an.

Dies war u.a. Thema einer Gemeinderatssitzung des Jahres 1955. Aus Gründen der Arbeitsüberlastung wurde die Neuorganisation der gemeindlichen Selbstverwaltung beraten und in deren Folge die Realgemeinde von der Politischen Gemeinde getrennt. Fritz Zeddies wurde Vorsteher der Realgemeinde. Die Hand- und Spanndienste wurden wieder eingeführt.

Welche Auswirkungen dieser Beschluß in der Praxis hatte, ist unklar. Vermutlich ist die Trennung in den ersten Jahr noch nicht sehr deutlich gewesen. Jedenfalls ist eine Versammlungsniederschrift aus dem Jahre 1962 mit "Protokoll der 1. Versammlung der Realgemeinde Frenke" überschrieben. Dies mag eher als (die 2.) Geburtsstunde der Realgemeinde gelten.

Aus den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses, Zeddies, Mönkemeier und Hölscher, sowie Herrn Beye, wurde an diesem Abend ein Ausschuß gewählt, der " ...sich [am Sonntag den 18.02.1962] an Ort und Stelle über die Dringlichkeit der einzelnen Arbeiten informieren und beraten [soll]..". Weiter wurde an diesem Abend nach langer Debatte beschlossen, einen Beitragshebesatz zu erheben (DM 5,- je ha) und die Hand- und Spanndienste wieder einzuführen (!). Nicht geleistete Arbeitsstunden sollten in Geld abgegolten werden, wobei jedoch der Arbeitsleistung der Vorrang zu geben sei.

Schon die zweite Versammlung am 21.02.1963 zeigte recht befriedigende Ergebnisse. Eine ganze Reihe von Maßnahmen konnten in Auftrag gegeben werden, bzw. durch Hand- und Spanndienste der Mitglieder

 

erledigt werden. Für die politische Gemeinde wurden 107 Stunden Handarbeit geleistet und mit 214,- DM bewertet. Für eine Baggerstunde mußte die Realgemeinde damals DM 20,- aufwenden.

Es wurde jedoch seinerzeit protokolliert, "dass vor allen Dingen versucht werden (solle), von der Kreisverwaltung die Genehmigung zu erhalten, die politische Gemeinde mit der Realgemeinde zu verschmelzen."

Mit der Gründung der Einheitsgemeinde Emmerthal am 01.01.1973 kam es dann genau umgekehrt. Die Realgemeinde Frenke in der heutigen Form entstand und wurde von nun an völlig in eigener Regie geführt.
1. Vorsitzender wurde Wilhelm Hölscher, der dies bis Anfang 2007 blieb.

Der Stundensatz wurde 1975 mit DM 8,- je Stunde Handarbeit und mit DM 30,- je Schlepperstunde mit Mann und Wagen festgelegt.

Auf der Sitzung am 7.8.78 wurde über das "Konto Turmuhr" beraten. Der Hintergrund war Folgender: Die Realgemeinde bekam 1973 bei der Eingemeindung die 2 Forstanteile der Schulstelle (Nr.21). Die damit verbundende Verpflichtung zum Heizen wurde abgelöst durch die jährliche Einzahlung des Gegenwertes auf das besagte Konto. Hier wurden zweckgebunden Gelder zur Wartung und Reparatur der Turmuhr angesammelt.

In gleicher Sitzung wurde auch eine Schlüsselregelung für die Mülldeponie ("Schuttkuhle" genannt) der Gemeinde Frenke beschlossen. Es sollte damit eine Sperrung für Auswärtige erreicht werden.

Zum 01.12.1981 trat die neue Satzung des Realverbandes Frenke in Kraft. 1982 wurden die ersten Pappeln zwischen der Vorderen- und Hinteren Horst gefällt, und von Mitgliedern der Realgemeinde Ersatzpflanzungen vorgenommen. Die Entlassung der "Nurhausbesitzer" wurde in den Jahren 1982 - 85 betrieben. Ihnen wurde freigestellt, die Realgemeindemitgliedschaft aufzugeben, und damit aus allen Rechten und Pflichten entlassen zu werden. Bis auf zwei Ausnahmen sind die entsprechenden Eigentümer seinerzeit der Empfehlung des Vorstandes und der Mitgliederversammlung gefolgt.

 

Anfang der 80er Jahre war unsere Region Schauplatz vieler Manöver. Vor allem deutsche, britische und holländische Truppen übten wiederholt, z.T. unter Einsatz vieler schwerer Kettenfahrzeuge. Die West-Ost-Konfrontation war auch vor unserer Haustür deutlich spürbar.

Durch die Manöver entstanden natürlich viele Schäden am Wege- und Grabennetz. In der Hauptversammlung 1983 mußte z.B. allein über drei verschiedene Manöver und ihre Schäden beraten werden.

1985 erfolgte die behördliche Schließung der Schuttkuhle durch den Landkreis Hameln-Pyrmont. Das Gelände wurde von der Gemeinde Emmerthal mit Erdreich aufgefüllt. Mitglieder der Realgemeinde pflanzten hier den Hegebusch I an. Später folgte am Rottenweg der Hegebusch II.

Wie zu sehen ist, hat die Teilungs- und Verkoppelungs-interessentenschaft Frenke im Laufe der Jahrzehnte manche Änderung erfahren. Die Instandhaltung der Wege und Gräben war jedoch immer die Hauptaufgabe. Dazu wurden früher Hand- und Spanndienste durch die Mitglieder geleistet und später flächenbezogene Beiträge erhoben. Wesentliche Einnahmequelle war zeitweise auch die Erstattung der Manöverschäden. Weitere Einnahmen hatte man früher aus der Landpacht, dem Apfel- und Erdeverkauf und aus der Grasnutzung an den Wegen. Diese Einnahmen sind heute allerdings bedeutungslos geworden.

Als Aufgabe, die nirgends festgeschrieben steht, aber mangels anderer Zuständiger im Laufe der Jahre an Bedeutung gewonnen hat, ist der Naturschutz- und die Brauchtumspflege anzusehen. Das Pflanzen von Hegebüschen und Bäumen und Sträuchern wurde bereits erwähnt. Bei der Pflege von Brauchtum und Heimatverbundenheit wäre z.B. die Anbringung eines Schildes am Weißen Stein, oder das Ausrichten von Grenzbeziehungen zu erwähnen.

 

 

 

 

Text aus:

Hölscher, Wilhelm, Frenke - Begegnungen mit der Geschichte unseres Ortes, Frenke 2000, S. 336 ff.

 


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last update: 08.11.2007